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Raimund Abraham, Haus für Musiker

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Haus_Musiker_bauinformantDer Kulturraum Hombroich umfasst den Museumpark Insel Hombroich und das Gelände der nordwestlich angrenzenden Raketenstation mitsamt den Flächen, die sich zwischen beiden Arealen befinden. Karl-Heinrich Müller, Initiator und Gründer der Museums-Insel, erwarb 1994 das Areal und ließ die vorhandenen Gebäude umbauen. Die Entwürfe für die Neugestaltung der Raketenstation wurden schon 1996 auf der 6. Architektur-Biennale in Venedig vorgestellt.

Bild: Rohbau Mai 2009, Andrea Spruda

Nach den Plänen des New Yorker Architekten Raimund Abraham enstand ab 2006 auf dem Gelände der ehemaligen NATO-Abschussbasis ein Haus für Musiker, in dem geprobt, gelebt und konzertiert werden kann. 2008 wurde der Rohbau für das Stahlbetongebäude fertiggestellt. Neben einem Kammermusiksaal und Probenräumen sind für den Betonbau Gästeappartements und eine umfangreiche Musikbibliothek geplant.

Der gesamte Baukörper ist in monolithischer Bauweise aus hellem Sichtbeton hergestellt. Da alle Betonflächen eine strukturierte Oberfläche aufweisen sollen, wurde mit einer Brettschalung gearbeitet. Verwendet wurde ein Beton der Festigkeitsklasse C 30/37 und als Bindemittel ein Zement CEM II A-S 42,5 R ohne Flugasche und der Konsistenz F3 mit einem Ausbreitmaß von 44 bzw. 46 cm. Der Zementgehalt betrug 350 kg/m³ mit einem Wasserzementwert w/z von 0,5.

Das Erscheinungsbild des kegelförmigen Bauwerkes wird durch den schrägen Gebäudeabschluss und die über dem Zylinder um 15 Grad geneigte, 50 cm dicke und rund 1500 Tonnen schwere Dachplatte geprägt. Um das Gewicht der Betonscheibe zu reduzieren, wurden kugelförmige Kunststoffhohlkörper, sogenannte Kobaxbälle, mit einem Durchmesser von 25 cm in 30% der Betondecke integriert. Die Dachscheibe hat einen Durchmesser von 33 m und erscheint trotz ihres hohen Gewichts über dem Bau zu schweben. In ihrer Mitte befindet sich eine Aussparung in Form eines gleichschenkligen Dreiecks mit einer Seitenlänge von 17 m.

Besonders diese Betonscheibe war eine technologische Herausforderung. Es musste eine Lösung gefunden werden, dass die fließende Betonmasse in die 15° Grad geneigte Dachschalung eingebracht werden konnte, ohne dass die Masse ins Rutschen geriet und dann Erhebungen in der Dachfläche verursachte. Man entschied sich für einen dreischichtigen Dachaufbau mit drei aufeinander abgestimmten Betonrezepturen mit der Konsistenzklasse F3. Dabei ist ein kraftschlüssiger Verbund zwischen den einzelnen Schichten notwendig, den man i. d. R. dadurch erreicht, dass auf die noch nicht abgebundene Betonschicht die nächste Schicht aufgebracht wird. In diesem Falle war diese Vorgehensweise jedoch nicht durchgängig möglich. Dem Beton wurde ein Verzögerungsmittel beigegeben, der den Abbindeprozess verlangsamt.

Im ersten Schritt wurde eine 15 cm dicke Betonschicht eingebracht, auf der die Bewehrungskäfige mit den Kunststoffhohlkugeln einbetoniert wurden. Denn aufgrund ihrer geringen Rohdichte verhalten sich die Hohlkörper wie Bojen und schwimmen auf. Darüber erfolgte eine 30 cm dicke Betonschüttung als Mittelschicht in 3B-Zement. Den oberen Abschluss macht eine 9 cm dünne erdfeuchte Deckschicht, die mit Polypropylenfasern bewehrt wurde. Die Bewehrung mit Kunststofffasern soll die Schwindrisse beim Abbinden des Betons verhindern. Optisch ist die schichtenweise Einbringung jedoch nicht ablesbar.

Haus_musiker_detail1_bauinformant Um eine möglichst einheitliche Farbgebung der sichtbaren Betonoberflächen, trotz der langen Bauzeit von 15 Monaten zu gewährleisten, wurde der dazu benötigte Sand eingelagert. Dieser Sand spielte nämlich eine entscheidende Rolle für die Farbe des Betons. Insgesamt wurden 1500 Tonnen des Zuschlags deponiert.

– Abbildungen folgen –

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Written by bauinformant

26. Mai 2009 um 07:20

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